Wann ist genug genug? Wann ist es zu spät? Vor einer ganzen Weile flatterte ein sehr eindrucksvoller Text in mein Postfach.
Da bekommt jemand einen Anruf vom Arzt – und das eigene Leben zerbröselt in Sekunden. „Hätte ich doch nur…“, „Warum habe ich nicht viel eher…“ steht da in der schriftlichen Dokumentation des einschneidenden Wendepunkts.
Die folgenden Wochen sind für den Autor eine echte Qual. Eine Achterbahnfahrt. Es geht um Leben oder Tod!
Auf den Schock folgt das Warten
Auf den Schock folgte aber erst einmal das grausame Warten: Sind die Blutwerte wirklich richtig? Oder gab es einen Fehler im Labor?
Die Botschaft des Textes ist eindeutig: Warte nicht mit den Dingen, die dir wichtig sind und die du liebst. Zögere nicht länger, nur um vermeintliche Sicherheit für die Zukunft zu haben.
Spoiler: Habe ich nicht gemacht. Gleich nach der Lektüre des Textes bin ich – na gut, ich habe noch einen Moment gebraucht – wieder in mein Hamsterrad eingestiegen, um zu schaffen. Weiterzukommen.
Der Mensch ist schon ein seltsames Wesen.
Ich muss doch! Oder?
Aber was hätte ich denn auch anders machen können? Ich muss doch!
Oder nicht? Wie risikofreudig muss man sein, um das bestehende Alltagskonstrukt loszulassen?
Im Moment geht mir auch der Spruch: „Wenn du etwas anders haben willst, darfst du etwas anders machen!“ nicht aus dem Kopf. Es gibt tatsächlich die eine oder andere Stelle in meinem Leben, mit der ich so semi-zufrieden bin (was für ein Euphemismus!). Das sind vor allem berufliche, sehr grundsätzliche Dinge, die mich gerade umtreiben.
Das Spannungsfeld zwischen Träumerei („Ist doch super so!“) und harter, offener Ehrlichkeit („So geht es nicht weiter.“) ist recht dehnbar, wie ich bei mir selbst feststelle.
Pendeln hilft nicht
Die Liebste meint, schonungslose Ehrlichkeit sei angezeigt. Aber ist die nicht auch hochgradig subjektiv?
Soll ich andere fragen? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen dich immer in die Richtung beraten, die ihren eigenen Erfahrungen entspricht. „Mach das so! Das ist der beste Weg!“
Ich bin da sehr misstrauisch, ob das wirklich hilft.
Amüsant: Vor einer Weile hat mir die Liebste ein Entscheidungspendel mitgebracht. Sechs Optionen, nicht alle ganz ernst („Ja“, „Nein“, aber auch: „Schlaf noch mal drüber“ oder „Frag deinen Therapeuten“) stehen zur Verfügung. Ganz selten verwende ich das auch. Auch die Entscheidungs-App auf dem Handy, früher viel in Gebrauch, kommt nur noch selten zum Einsatz.
Die Entscheidungsdimension ist einfach zu groß dafür.
Mehr Podcast, kein Print
Immerhin, eine Entscheidung habe ich (sehr erwachsen, wie ich finde!) schon getroffen:
Bis auf Weiteres gehe ich keine weitere gedruckte Ausgabe des 7VIERZIG-Magazins an. Ist mir einfach zu riskant.
Die erste Ausgabe war ja wirklich ein Karma-Projekt, pro bono, wie man so schön sagt. Die zweite, auf die ich wirklich sehr viel Lust hätte, mache ich nur mit ordentlicher Finanzierung. Und da sind wir schnell im mittleren fünfstelligen Bereich.
In Vorleistung gehen und auf den Abverkauf hoffen? Fällt aus.
Anzeigen akquirieren? Die Zielgruppe ist hochspannend, ich bekomme immer wieder Hinweise. Aber sorry, das ist mir zu mühselig, dafür bräuchte ich jemanden, der das übernimmt.
Ich habe auch lang über eine Crowdfunding-Kampagne nachgedacht. Kampagne kann ich, ja klar, und eine kleine Community um 7VIERZIG gibt es ja auch schon. Aber ey, auch hier ist mir das Risiko zu scheitern im Moment zu groß.
Dann halt nicht!
Also bleibt’s (erstmal). Habe ich ganz schonungslos ehrlich und ohne Pendel und App entschieden. Wow, wie erwachsen!
Aber! Ich kann das Thema trotzdem nicht lassen, dafür macht es einfach zu viel Spaß. Also habe ich mir vorgenommen, den 7VIERZIG-Podcast regelmäßiger zu produzieren – mindestens 14-tägig, vielleicht sogar öfter (Du hilfst mir übrigens, wenn du den Podcast weiterempfiehlst, mit einem Like versiehst oder sogar abonnierst!).
Und die anderen, grundsätzlichen Fragen?
Da ist noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen, um eine finale Aussage zu treffen. Oder, wie die Liebste sagen würde: „Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug!“
Wie triffst du grundsätzliche Entscheidungen? Lass mich teilhaben und schreibe mir! Überhaupt, ich freue mich immer über Rückmeldungen, Anregungen (auch für Podcast-Gäste, wer will?) und Ideen!
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