Ali, 51, Fürth: „Alles auf Anfang, zumindest größtenteils“

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Wie ticken Männer im mittleren Alter? Wie blicken sie auf ihr bisheriges Leben und was würde ihr junges Ich über sie heute sagen? In unserer Köpfe-Rubrik protokollieren wir Momentaufnahmen.

Vor über einem Jahr sind wir von Sachsen nach Bayern gezogen. Davor haben wir mehr als 17 Jahre in Dresden gelebt.

Die Entscheidung wegzuziehen, ist über die Jahre gereift. Obwohl ich im Ruhrgebiet geboren, aufgewachsen und sozialisiert bin, habe ich mich nie richtig angekommen gefühlt.

Unseren „nicht-biodeutschen“ Bekannten erging es größtenteils ähnlich. Viele unserer engsten Freunde sind nach Bayern gezogen. Also sind wir ihnen gefolgt.

Miete oder Kauf?

Auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung haben wir ein Doppelhaushälfte gefunden, die zum Verkauf stand. Die Raten für ein Kredit waren in etwas so hoch wie die Miete. Kurzum, wir haben das Haus gekauft.

Zunächst habe ich weiter für meine bisherige Firma gearbeitet – im Homeoffice. Nach fast zehn Jahren im gleichen Team waren wir schon eine eingeschworene Gruppe. Da ich ein sehr kontaktfreudiger Mensch bin, kenne ich viele Leute aus diversen anderen Abteilungen. Meinen Kollegen und mir ist der Abschied sehr schwergefallen.

Neuer Job als Führungskraft

Einige Monate nach dem Umzug habe ich eine Stelle als Führungskraft in unmittelbare Nähe angeboten bekommen. Ich habe vorher noch nie solch eine große Verantwortung übernommen. Würde ich der Aufgabe gewachsen sein?

Mit über 50 Jahren so ein Karrieresprung? Ich habe mir überlegt: Ich werde nie wissen, ob ich das kann, wenn ich es nicht versuche. Ich habe das Angebot angenommen.

Also hatte ich zum ersten Mal Führungsverantwortung. Das Unternehmen, die Unternehmungsstruktur, die Unternehmenskultur, die Produkte, die Technologie… alles war völlig neu für mich. Und ich habe in der Firma kein Netzwerk, dass mich auffängt. Einbringen kann ich nur meine 25 Jahre Berufserfahrung und meine Persönlichkeit. Natürlich habe ich typische Anfängerfehler gemacht. Mein Chef war sich dessen bewusst und unterstützt mich sehr. Auch deswegen läuft es bisher sehr gut.

Wird alles gut gehen?

Mit 50 Jahren habe ich also mein gesamtes Leben auf Anfang gestellt. Wir haben ein Haus gekauft und uns finanziell sehr gestreckt. Und ich habe eine komplett neue Stelle angetreten. Obwohl das große Umbrüche sind, kann ich auf meine Lebenserfahrung aufbauen und fange nicht ganz bei null an.

Wird alles gut gehen? Werde ich erfolgreich sein in meinem Job? Ehrlich, ich weiß nicht. Mein Gefühl sagt mir: Vieles ist besser geworden und ich sehe wirklich optimistisch in die Zukunft.

Was ich meinem jüngeren Ich mit auf dem Weg geben würde? Hab‘ keine Angst vor Neuem! Gehe mehr Risiken ein! Viele Dinge, die dir als unerreichbar scheinen, sind es einfach nicht.

Trau dich einfach!

Höre mehr auf dein Herz und weniger auf die Leute um dich herum. Sie wissen selbst nicht genau, wie es wirklich zugeht in der Welt. Bleibe an den Dingen ran und beende sie, auch wenn du nicht weißt, wofür. Du wirst es irgendwann brauchen.

Sei nicht zu engstirnig, fokussiere dich nicht nur auf ein Wissensgebiet. Trau dich einfach!

Und du? Was würde dein 18-jähriges Ich heute über dich sagen? Welchen Traum hast du noch, den du unbedingt verwirklichen willst? Was ist rückblickend dein größter Fehler? Schreibe uns, wenn du in unserer „Köpfe-Rubrik“ auftauchen willst! peter (at) stawowy-verlag.de.

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