Briefe von Arthur: „Doch nicht in dem Ton!“

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Mein lieber Freund…

da war ich doch etwas erschrocken, als wir telefonieren. „Nein, du kannst jetzt nicht stören“, raunzt du deine Tochter an, das ins Gespräch plappert. „Auch die Mama hat gerade keine Zeit!“

„Das war jetzt aber nicht so besonders freundlich“, sage ich im Anschluss. „Ja, mir fehlt gerade die Geduld für das Kind“, entgegnest du mir.

Ich weiß ja schon aus älteren Begegnungen, dass die junge Dame sehr viel Aufmerksamkeit einfordert. Und es ist natürlich völlig legitim, dass du dich abgrenzt, schon klar. Und es geht mich im Grunde nichts an, wie ihr euer Kind erzieht; ich halte es sogar für ausgesprochen grenzwertig, sich in die Erziehung anderer Kinder einzumischen.

Ich habe ja das sehr große Thema, immer gleich die Kinder, die harsch angegangen werden, beschützen zu wollen. Das liegt ziemlich sicher an meiner Kindheit. Als ich Kind war, gelang mir das nicht so gut – also mich selbst zu beschützen. Heute, das wird mir von meinen Liebsten immer mal wieder signalisiert, springe ich sehr schnell an, wenn ich Ungerechtigkeiten gegenüber Kindern erlebe. Auch, wenn das vielleicht manchmal etwas überinterpretiert ist.

Wobei, da bin ich mir in dem Fall hier sicher – hier liege ich nicht falsch. Eine erwachsene Person, die du respektierst, würdest du nicht so abkanzeln und zurückweisen. Oder, im Zweifel, maximal ein oder zweimal. Dann würde die dich nicht mehr ansprechen. Dein Kind aber, das braucht dich. Und deine Aufmerksamkeit. Und deinen Respekt.

Ja, bei euch ist es offenkundig der Fall, dass eure Tochter überbordend viel Aufmerksamkeit benötigt. Das kann Nerven kosten, das verstehe ich, und bringt dich offenbar an deine Grenzen und darüber hinaus.

Aber hast du mal darüber nachgedacht, woran das liegt?

Die Lebenserfahrung sagt mir, das Kinder ihre Eltern spiegeln. Wo hat das Kind denn gelernt, dass es Aufmerksamkeit von außen benötigt, weil es sich selbst die nicht geben kann?

Vielleicht bei seinen Eltern?

Ich weiß schon, wenn man das zu Ende denkt, steckst du nun in einem Dilemma: Einerseits sollst du dein Kind nicht zurückweisen und ihm die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die es braucht. Sicherlich ist es auch richtig, ihm seine Grenzen aufzuzeigen – aber, ey, Alter, doch nicht so und in dem Ton! Wie gehst du denn mit dem Kind um?!

Andererseits signalisiere ich dir gerade, dass das Kind dich in erster Linie spiegelt – und du die Person bist, die sich nicht genug Aufmerksamkeit gibt. Sie hat das von euch gelernt: seiner Mutter und seinem Vater.

Selbstliebe, in sich zu ruhen, mit sich selbst auskommen – das ist in unserer heutigen Zeit wirklich schwer. Auch da weiß ich, wovon ich spreche. Vielleicht probierst du es doch noch einmal. Wenn nicht für dich, dann wenigstens für euer Kind.

Ich wünsche Dir alles Gute!

Dein Arthur

In seiner Kolumne „Mein lieber Freund“ schreibt Arthur unregelmäßig an Freunde und Bekannte. Arthur ist bewusst ein Pseudonym. Die Adressaten sind nicht völlig frei erfunden. 

Eine Antwort

  1. Hallo.

    Während wir heute telefonierten, war ich nach Ihren Tips neugierig, und staune u.a. auf dieser Website über Ihre Vielfalt Ihrer Tätigkeiten. Hut ab! Ich werde mir mal einges aus Ihren Beiträgen hier auf 7vierzig.de als Beispiel und rein zufällig ausgewählt* intensiver durchlesen. Klingt spannend zu werden.

    Für Ihren Urlaub meine besten Wünsche. Erholen Sie sich bitte mal ausgiebig von Ihrem „Alltag“.

    Mit freundlichsten Grüßen und herzlichsten Dank nochmals für das sehr nette Telefonat mit Ihnen.

    Hr Richter (*Dresden-Weißig – Themastichwort: Telefonat vom 01.08.2023 zum “ Dresdner Osten abgehängt vom DAB+Lokalmux-Radio seit Juli 2023)

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