Es liegt nicht an mir, es liegt an dir

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K S B – Küssen, Sex, Beziehung. Marina ist 29, Single, happy. Und sie datet schon länger Männer im „mittleren Alter“. Mit gleichaltrigen kann sie nichts anfangen, das hat sie schon früh gemerkt. In ihrer Kolumne gibt sie uns Einblicke in ihre Begegnungen. Aber Achtung: Parallelen mit der Wirklichkeit sind reiner Zufall!

#81 Julian

Er ist erstaunlich ruhig seit der Verabschiedung im Lokal. Wir gehen zu seinem Wagen. Julian hat darauf bestanden, mich abzuholen, obwohl seine Wohnung gleich um die Ecke liegt.

Ich wäre sogar zu Fuß gegangen. Wir steigen ein, er knallt die Tür zu. Ein Omen, das ich bereits nach einem Monat fehlerfrei deuten kann. Manege frei!

„Das war die erbärmlichste Begrüßung, die ich je bekommen habe. Sowas lasse ich mir nicht bieten!“ Weißt er mich lautstark zurecht. Zurecht? Nein zu Unrecht.

„Julian, es tut mir leid, wir waren im Gespräch und ich wollte wirklich den einen Satz nur noch beenden. Ich war mir …“

„Dem bist du ja richtig um den Hals gefallen!“

„Was? Zu schade? Ey, das war so unglaublich herzlos und eiskalt von dir. Du bist wie die Arktis! Ich will nicht wissen, was ihr sonst getrieben habt. Dem bist du ja richtig um den Hals gefallen!“

„Ich hatte doch keine Ahnung, dass es so auf dich wirkt. Ich will mich nicht streiten. Beim nächsten Mal mach ich’s besser, okay? Ich habe dich doch danach noch als meinen Freund vorgestellt und dich geküsst. Lass uns nicht streiten, ja?“

Ich sehe auf die Uhr, 23:14 Uhr. Sonst liege ich 22:00 Uhr im Bett und habe diesen Stress nicht.

„Nächstes Mal, pff… ich hol dich ganz sicher nicht ab. Wer war der Typ eigentlich?“

„Ein ehemaliger Kollege. Das hatte ich dir aber schon vorher gesagt.“

„Ach jetzt ist es mein Fehler. Lass gut sein.“

Wann waren wir denn so abgebogen?

Ich verstehe unsere Konversation nicht mehr. Wann waren wir denn so abgebogen? Seiner Argumentation kann ich auch nicht mehr folgen. Und das bei 0,0 Promille. Ich wünschte, ich hätte doch einen Wein getrunken. Oder zwei oder drei.

Julian parkt den Wagen im Hinterhof ein und wir steigen aus. Eigentlich wollten wir noch einen Film sehen und naja das machen, was glückliche Paare eben so machen. Der Abend kam jedoch anders. Meine Übernachtungssachen muss ich noch aus meinem Auto holen, das ich am Nachmittag bereits bei ihm geparkt hatte. So biege ich kurz vor der Haustür nochmal ab, komme aber nicht weit.

„Was ist denn das jetzt?“ geht er mich an. Für die Uhrzeit ist es viel zu laut, aber er ist eben auch sehr sauer auf mich.

„Ich will meine Sachen noch aus meinem Auto holen“, versuchte ich mich ruhig und sachlich zu erklären. Meine Zahnbürste kann er mir ja schlecht verwehren. Da ich keine Lust auf weitere Diskussionen habe, versuche ich eine Lösung zu finden.

„Dann kannst du gleich heimfahren!“

„Julian, wenn der Abend für dich jetzt gelaufen ist und ich dir deine Laune auf alles verhagelt habe… Soll ich wirklich mit reinkommen?“ frage ich vorsichtig.
„Bitte?? Wenn DAS jetzt deine Attitude (er spricht es englisch aus) ist, dann kannst du gleich heimfahren!“ entgegnet er in voller Rage mit rotem Kopf. Trotz, dass es dunkel geworden ist, sehe ich die Verfärbung in seinem Gesicht deutlich. Meine Idee ist also voll nach hinten losgegangen.

Ich zittere und muss kurz um meine Fassung ringen, als ich einfach wortlos zu meinem Auto gehe. Ich frage mich, was ich denn eigentlich will. Wollte ich DAS? Wollte ich das HEUTE?

Lass uns gern morgen reden

Die Antwort ist Nein. Ich fische meine Autoschlüssel aus der Handtasche, starte den Motor und fahre heim. Ich habe genug. Ein Hoch auf 0,0 Promille!

„Was war das denn jetzt wieder?!“ lese ich um kurz vor Mitternacht. Julian hat nochmal geschrieben.
„Lass uns gern morgen darüber reden. Ich bin müde. Gute Nacht!“ antworte ich ihm kurz und schalte mein Telefon auf Flugmodus. Heute nicht mehr. Morgen werde ich mich von ihm trennen. Und ja, es liegt an ihm. Es liegt an seiner Art. Nur ich werde es ihm morgen anders verkaufen müssen. Morgen.

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Julian, 44, wollte damals schnell zusammenziehen. Der gemeinsame Alltag hätte uns gut getan und er wäre auch sicher schon Vater geworden. Aber ich hatte mich quer gestellt.

Marina, 29, berichtet über ihre Begegnungen mit Männern im mittleren Alter.

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