Die Yoga-Angst der Männer

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Warum fällt es uns Männern eigentlich so schwer, sich gegenüber anderen unsportlich zu zeigen?

Ich weiß gar nicht, wie viele Kumpels ich in jüngerer Vergangenheit gefragt habe, ob sie mal mit mir zum Männer-Yoga gehen.

Alle! Ausnahmslos alle haben abgelehnt.

Okay, okay, ich gebe zu: Ich habe jetzt nicht jeden gefragt, der mir über den Weg gelaufen ist. Bei nicht wenigen war mir die Vorstellung tatsächlich auch irgendwie… unangenehm.

Manchmal war ich auch froh über die Ablehnung: Hatte ich so doch eine Entschuldigung, mich nicht da hinquälen zu müssen!

Aber: Die harsche Ablehnung, die mir bei meiner Frage begegnet ist – die beschäftigt mich schon.

Herabschauender Hund?

Mal mit einem Kumpel zum Männer-Yoga gehen: Die Überlegung ist bei der Themensammlung für 7vierzig.de aufgetaucht.

Ja, ich gebe zu: Ich will da nicht nur entspannen. Ich will auch aufschreiben, wie das da so ist. Eine Reportage. Einen Erfahrungsbericht.

Ich habe auch schon eine Ahnung, was mich erwartet: Ich war nämlich vor vier oder fünf Jahren schon mal. „Du brauchst ganz dringend mal Entspannung“, hatte ich damals als Hinweis bekommen. Und: „Komm mal runter!“

Also habe ich allen Mut zusammengenommen und bin zum empfohlenen Termin gegangen. Weil ich da keinen kannte und auch sonst insgesamt in einem desolaten Zustand war, war mir ziemlich egal, ob ich mich jetzt blamiere.

Stöhnendes Hängebauchschwein!

Was soll ich sagen: Das war total witzig!

Statt „Herabschauender Hund“ („Adho Mukha Svanasana“) haben die übrigen Herren und ich eher das „Stöhnende Hängebauchschwein“ („Eieieieieiei!“) exerziert.

Und der „Krieger“ („Virabhadrasana“) wurde eher zum „derben Plumps“ („AufdieSeiteklatsch“).

Ich habe wirklich – und ich war damit nicht allein – an dem Abend sehr viel gelacht. Einfach auch über mich selbst.

Es geht nicht ums Gewinnen!

Was ich ebenfalls sehr mochte: Die Yoga-Lehrerin (!) war einerseits durchaus motivierend, andererseits total smart:

Als erstes hatte sie uns erklärt, dass es bei Yoga eben nicht darum geht, die Übungen (Kobra! Heuschrecke! Stuhl!) perfekt zu machen.
Sondern dass man mit Yoga etwas für sich selbst tut. Und eben nur so mitmacht, wie man es hinbekommt.

Und dann hat sie in ihrer engansitzenden Yoga-Hose ja auch mitgemacht… (ja, sorry, wir Männer sind nun mal optische Wesen!).

Männer haben auch Gefühle

Was ich auch herrlich fand: Die Typen, die da waren – wie die sich in der Umkleide, vorher und nachher, ausgetauscht haben – das war ganz anders als bei einem Business-Abend oder im Fitness-Studio!

Und genau das, was eben für Leute da sind und wie die so ticken und wie entspannend und lustig das alles ist: Das wollte ich gern beobachten – in Begleitung von einem Augenzeugen.

Los, blamieren wir uns!

Hat bis heute nicht geklappt.

Ich vermute als Grund eine gewisse Sorge bei meinen Geschlechtsgenossen, dann nicht besonders „männlich“ dazustehen.

Weil man nicht mehr so sportlich ist wie vor 20 Jahren.

Wir Männer denken ja oft, wir müssen leisten. Sportlich sein. Gewinner, besser als andere sein!

Und genau das könnte beim Yoga nicht so klappen. Auch, wenn man sich hinterher durchaus als Gewinner fühlen dürfte (war bei mir damals so).

Ich glaube es ist wirklich gut, wenn wir in unserem Alter noch neugierig sind. Und uns mal was trauen. Und weniger in diesen alten Strukturen denken, man müsse ständig ein Held und ein großartiger Hecht sein.

Da verpasst man sonst ganz schön was!

Ich geh dann wohl demnächst mal allein. Oder sehen wir uns dort?

Schönes Restwochenende!

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