Neue Impulse im Leben: Im Pflegeheim

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Sebastian ist 46 Jahre alt und macht eine Ausbildung zum Hospizhelfer. Oder wie er selbst sagt: Er verpasst seinem Leben neue Impulse. Teil der Ausbildung ist ein Praktikum in einem Pflegeheim. Ein Erfahrungsbericht.

Ich stehe am Montagnachmittag pünktlich um kurz vor 14 Uhr am Haupteingang des Pflegeheims, um meine erste Spätschicht anzutreten. Ich bin aufgeregt. Ich bilde mir ein, dass ich Pflegeheime schon ganz gut kenne. Schließlich habe ich über einige Zeit die Großmutter meiner Frau und auch meine eigene Oma in solchen Heimen besucht.

Erstere sogar genau in dem Heim vor dem ich nun mit weichen Knien stand – noch in meiner Zivilkleidung. Das wird sich aber gleich schnell ändern.

Keiner interessiert sich großartig für mich

Keine 10 Minuten später stehe ich schon im Dienstzimmer der Station in weiß/blauer Pfleger-Arbeitskleidung und bin von den anderen Pflegekräften optisch nicht mehr zu unterscheiden. Punkt 14 Uhr ist Übergabe der Früh- zur Spätschicht. Mich kleidet eine zu enge Hose (L) und ein zu weites Oberteil (XXL).

Nun sitz ich also im Dienstzimmer inmitten eines Vier-Frau-Teams und einem jungen Mann auf dessen Namensschild „Qualitätsbeauftragter“ steht. Pflegeassistentin Eva (alle Namen im Text geändert), die ich die die nächsten zwei Tage begleiten werde, spricht nativ Deutsch. Die anderen Damen mit einem Akzent, der für mich osteuropäisch klingt. Keiner der Anwesenden interessiert sich großartig für mich.

Erste Übung der Geistesschulung: Es ist amüsant, mein Ego zu beobachten. Das ist es gewohnt, im beruflichen Kontext den Chef zu spielen und in jedem Moment souverän zu glänzen. Mit Fachkompetenz und Führungsstärke. Huch – wo ist das denn gerade hin verschwunden? Ich werde etwas unsicher und komme mir etwas blöd vor.

Die Übergabe läuft für mein Empfinden chaotisch. Es ist ein ziemliches Durcheinander. Keiner erbarmt sich der Moderation. Und so reden alle wild durcheinander oder werden willkürlich unterbrochen. So gut wie niemand macht sich Notizen. Ich habe den Eindruck, dass einige gar nicht richtig zuhören.

Es fliegen Namen und aktuelle Probleme der insgesamt 26 Stations-Bewohnerinnen und Bewohner durch die Luft. Inkontinenz, Sturzgefahr, Wundstellen, Gürtelrose, defekte Rollatoren, Hüftprotektoren, Arzttermine, Friseurtermine, Neunankömmlinge. Aha. Alles klar.

Bei den Bewohnern ist die Frauenquote noch höher als beim Personal. 24 Frauen und gerade mal zwei Männer. „Die Männer sterben halt viel früher und werden meist von ihren Frauen daheim gepflegt“, wird mir später gesagt. Das Durchschnittsalter der Bewohner liegt – wie ich später lerne – bei gefühlten 90 Jahren. Laut Einrichtungsleitung liegt das auch an den gestiegenen Kosten. Mindestens 4- bis 5.000 Euro kostet hier ein Pflegeplatz im Monat. Da wird dann gerne mal so lange gewartet, bis es daheim wirklich gar nicht mehr geht. Und das ist bei den rüstigen Damen heutzutage häufig erst ab 90+ der Fall.

„Wenn die wüssten, wen sie da vor sich haben!“

Die Übergabe dauert etwa 20 Minuten. Gegen Ende werde ich noch schnell als „Praktikant“ vorgestellt. Mein Ego-Denksystem geht zum Angriff über: „Pah! Wenn die wüssten, wen sie da vor sich haben!“ Ich höre in mich rein, beobachte meine Erscheinung in der Spiegelung des Dienstzimmerfensters und muss mal wieder über meinen Monsieur Jaques (Begriff geklaut von Ute Ullrich) in meinem Kopf schmunzeln.

Dieser aufgeblasene Gockel, den ich immer noch in mir rumtrage. Mein Schatzi. Der wird zurzeit ordentlich gerupft.

Es ist fast 14:30 Uhr und so endet die Übergabe – Ich habe das Gefühl, unabhängig davon, ob alles besprochen ist oder nicht. Timeboxing. Zwei Pflegerinnen gehen nach Hause und meine Eva und ihre Kollegin ziehen in unterschiedliche Richtungen los in die Station. Ich hänge mich wie ein Überwachungs-Satellit an Eva ran. Seltsames Gefühl.

Die ersten drei Stunden verlaufen ruhig. Pünktlich 15 Uhr richten wir Kaffee und Kuchen für die Bewohner an. Das Highlight des Tages für viele. Ich bin erstaunt, wie wichtig dieses Ritual den Bewohnern ist. Nur zwei oder drei fehlen.

Selbst die über 100-jährige Frau Müller lässt sich von Eva aus dem Bett heben und per Rollstuhl zum Kaffeetisch im Gemeinschaftsraum fahren. Aus Gewohnheit und in Anbetracht der zittrigen Damen am Tisch schenke ich die Kaffeetassen ungefähr zu dreiviertel voll. Ich lerne, dass das heute mein erster Fehler ist. Es hagelt sofort Beschwerden und ein Streit am Tisch bricht los, weil Frau Maier mehr in der Tasse hat als Frau Weimann. Okay. Abgespeichert. Die nächsten zwei Tage schütte ich die Kaffeetassen randvoll.

Der Kaffee zieht sich bis 16 Uhr. Fast alle Kaffeetassen sind leer. Was mich etwas wundert ist, dass niemand nach einer zweiten Tasse fragt. Das scheint nicht vorgesehen zu sein. Einige Bewohner wollen nochmal zurück auf Ihre Zimmer, bevor es um 18 Uhr Abendessen gibt. Ständig bimmelt Evas Telefon. Jeder Bewohner hat auf seinem Zimmer einen Knopf. Wird der gedrückt, dann klingelt Evas Telefon und auf dem Display erscheint der Name des Bewohners.

Wir klappern die Anrufe stoisch der Reihe nach ab. Eva lässt keine Hektik aufkommen. Wir laufen gemütlich von Zimmer zu Zimmer. Keine rennenden Pfleger, kein hektisches Geschrei und auch keine Hau-Ruck-Transfers zwischen Bett und Rollstuhl.

Ehrlich gesagt, hatte ich aufgrund der angespannten Personalsituation Schlimmes befürchtet. Jeder Bewohner bekommt genau das, was er anfordert. Frau Müller will eine Cola. Das allein kostet uns 10 Minuten. Einmal Lagerraum und zurück. Da kann es dann auch mal etwas länger dauern, bis wir kommen, wenn zum Beispiel bei zwei Bewohnern der Kuchen gleichzeitig wieder raus will. Es gibt neben Eva und mir ja nur noch Ivanca auf der Station. Zwei Pfleger auf 26 Bewohnerinnen und Bewohner.

Die kleinen Geschäfte werden hier entweder per verlegtem Katheder und Urinbeutelchen am Unterschenkel oder direkt in die Windeln gemacht. Ausnahmslos alle der Damen sind nicht mehr „ganz dicht“. Entsprechend ähnelt sich der Geruch auf den Zimmern. Die Intensität variiert. Mal ist es eine leichte Note, mal ein beißender Gestank. Ich spüre kurz in mich rein. Leichter Anflug von Ekel, aber ich denke mir so: Wie bei den Zebras im Zoo – geht.

Die Hälfte hat keine persönlichen Dinge im Zimmer

Einmal darf ich eine sehr betagte Bewohnerin im Bett in Seitenposition halten, als eine Pflegefachkraft die Wundversorgung am Gesäß vornimmt. Ihr Sohn will der betagten Damen keinen Katheder legen lassen und sie trinkt nicht mehr viel Flüssigkeit. Entsprechend verdichtet ist der Urin, der die Haut an Gesäß und unterem Rücken angreift. Die wunden Stellen riechen noch übler als sie aussehen. Da merke ich, wie ich kurz mal würgen muss. Aber ich habe es noch unter Kontrolle. Ich denke schon, dass ich mich an die Anblicke und Gerüche relativ schnell gewöhnen könnte.

Die Zimmer sind genauso wie die Bewohner sehr individuell. Die Hälfte der Bewohner hat keine persönlichen Dinge im Zimmer. Häufig blicke ich auf nackte Raufasertapeten. Ich vermute, dass hier keine Angehörigen mehr greifbar sind. Manchmal hat sich offenbar irgendwer erbarmt und wenigstens ein paar billige Monet-Kunstdrucke von IKEA aufgehangen. Es erscheint mir denkbar, dass bei vielen Bewohnern die Kinder bereits verstorben sind.

Bei der anderen Hälfte der Bewohner variiert die Einrichtung von veralteten Enkelkind-Bildern auf dem Nachttisch über ein, zwei schief hängende Bildercollagen aus den 90er-Jahren an der Wand. Nur einige wenige trumpfen hier mit mehr auf. Frau Müller stand offensichtlich schon immer auf Klamotten. Sie hat aus ihrem Zimmer einen begehbaren Kleiderschrank gemacht, den die Motten nun aber langsam aufessen.

Während Eva mit Frau Wiesmann auf der Toilette duscht, schaue ich mir ihre Bildercollagen an der Wand etwas genauer an. Die Bilder auf den verschiedenen Zimmern ähneln sich sehr, wie ich finde. Bilder aus „vermeintlich besseren Zeiten“, denke ich mir. Es sind oft hergerichtete Damen in edlen Kleidern mit Champagnergläsern zu sehen. Im Hintergrund Reitpferde, Schlösser, Autos. Die Frisuren, Kleider und Schminke im 90er Jahre Stil. Viele Schulterpolster.

Aufgebauschte Egos, die mich mit stolzen Blicken von den Bildern ansehen. Ich spüre die Identifikation mit materiellem Besitz, Wissen. Status, die aus den Bildern spricht. Ein Bild zeigt eine Gesellschaft an einer langen Tafel sitzend. Am Tischende ist der Sohn von Frau Wiesmann zu sehen in einem feinen Anzug. Er sieht aus, als hätte er mindestens einen Doktortitel – eher zwei. Ich muss schmunzeln. Wie absolut lächerlich das alles aus heutiger Sicht wirkt, wenn ich dann wieder zu Frau Wiesmann blicke, die gerade von Eva aus der Duschtoilette zum Bett zurückgeschoben wird.

Wie wir Menschen uns doch so oft an vergänglichen und bedeutungslosen Dingen festklammern, um unsere Egos zu füttern. Ich entscheide mich vor der Bildercollage stehend – wie in letzter Zeit öfter – all diesen vergänglichen Dingen nicht mehr so viel Bedeutung zukommen zu lassen.

Auch ich bin schon in die Ego-Falle getappt und habe viel Zeit mit falscher Identifikation vergeudet. Was habe ich mir nicht schon alles Mögliche eingebildet, wer ich meinte zu sein. Der mit dem Ingenieurs-Diplom. Der mit dem tollen Job. Der mit dem teuren Sportwagen. Der mit der tollen Familie. Die Liste ist lang.

Heute weiß und spüre ich, dass ich das alles eben nicht bin. Ich bin nicht mehr und nicht weniger als jeder andere der acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Göttliche Liebe. Punkt. Als ich mir das klar mache, fühle ich mich plötzlich wohlig verbunden mit Frau Wiesmann und Eva.

Es ist fast 18 Uhr. Das Gesellschafts-Spiel geht von vorne los. Alle Bewohner werden zum Abendessen zusammengetrommelt bzw. gefahren. Einige Damen müssen wir nur wecken und aus dem Bett helfen. Frau Hiller ist wie so oft etwas muffig und ihr Knie schmerzt. Wir reiben es mit Voltaren ein und begleiten sie mit dem Rollator jammernd und stöhnend im Schneckentempo zum Esstisch.

Ein fataler Fehler

Als wir gehen 19 Uhr das dreckige Geschirr abräumen, passiert mir ein fataler Fehler. Ich habe auf einem Tablett übersehen, dass auf einem bunten Pillenbecher noch eine sehr kleine Tablette liegt. Kurze Aufregung. Ivanca ist überhaupt nicht begeistert über meine Leistung. Zum Glück erinnert sie sich an die verschiedenen Tabletts und kann so die übrige Pille Frau Wieler zuordnen.

Ich ernte kritische Blicke und komme wieder ziemlich blöd vor. Ich fühle mich an meine frühe Schulzeit erinnert. Da wurde mir auch oft vermittelt, dass ich es „nicht drauf“ habe. Das war ein frühes Futter für mein Ego. Danach wollte ich es dann allen beweisen. Ich hoffe sehr, dass Ivanca richtig liegt mit ihrer Rekonstruktion und Frau Wieler heute Nacht nicht im Bett tanzt. Ich versuche meinen inneren Kritiker wieder einzufangen. Anfängerfehler.

Es ist 20:15 Uhr. So langsam haben wir die letzten Bewohner ins Bett gebracht. Nur Frau Riedling ist noch sehr unruhig. Sie ist erst gestern zur Kurzzeitpflege angekommen. Das bedeutet, dass sie vermutlich nach zwei oder drei Wochen wieder nach Hause oder in eine andere Einrichtung kommt. Sie ist noch sehr gut zu Fuß und läuft sogar ohne Rollator. Damit ist sie die absolute Ausnahme. Sie begegnet uns auf dem Gang und fragt uns: „Wo geht es hier denn raus?“

Im kurzen Gespräch mit ihr wird mir schnell klar, dass sie an Demenz erkrankt ist und Fluchtgefahr besteht. Eva sieht das genauso und daher schließen wir vorsichtshalber die große schwere Glastür, die die Station vom Aufzug in die Freiheit trennt. Abschließen dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht, aber wir hoffen, dass Frau Riedling die schwere Türe nicht so ohne weiteres allein aufbekommt. Denkfehler.

Eine halbe Stunde später sitze ich auf dem Fahrrad und suche die Umgebung nach ihr ab. Um 21 Uhr kehre ich nach erfolgloser Suche zurück ins Dienstzimmer zur finalen Schichtübergabe. Zwischenzeitlich ist ein Anruf eingegangen. Frau Riedling hat einen kleinen U-Bahn Ausflug in einen Nachbarort gemacht und wurde von einem aufmerksamen Passanten aufgegabelt.

Alle Pfleger im Dienstzimmer sind sichtlich erleichtert.

Frau Riedling auf der Flucht

Dann folgt eine kurze Übergabe. Der übliche Wirrwarr. Ich höre mir alles aufmerksam an und hake im Kopf die Punkte ab, die ich als wichtig empfinde. Ich merke gegen Ende der Übergabe, dass einige Dinge nicht angesprochen wurden. Als ich diese einwerfe und anerkennendes Kopfnicken ernte für meinen Beitrag, merke ich, wie mein Ego wieder Land gewinnt, nach dem es heute doch derb vermöbelt wurde. „Siehst du, Sebastian, du bist ja doch eine helle Kerze und was Besonderes“.

Wieder muss ich schmunzeln. Was für ein Kopfkino schon wieder.

Nach einer etwas kurzen und unruhigen Nacht stehe ich um kurz vor 7 Uhr schon wieder am Eingang der Pflegeheim-Tiefgarage, die nur für die Führungskräfte bereitsteht. Ich kenne die ganzen Gebäude und geheimen Zugänge schon ziemlich genau, nachdem wir gestern Abend noch in fast allen Winkeln des Areals nach Frau Riedling gesucht hatten. Punkt 7 Uhr ist wieder Schicht-Übergabe. Diesmal von der Nachtwache. Die Nacht verlief ruhig. Nichts Erwähnenswertes.

Frau Riedling bekommt heute einen Funksensor um das Handgelenk. Das geht normalerweise nur mit richterlichem Beschluss. Aber hier war es wohl möglich, nachdem ihr Sohn zugestimmt hatte. Verlässt sie das Areal, läutet Evas Telefon und auf dem Display erscheint „Flucht Fr. Riedling“. Das werden wir – wie sich später rausstellt – heute noch gefühlte hundertmal erleben, da die Haustechnik verschiedene Tests mit dem neuen Sensor durchführt.

Um 7:30 Uhr fliegen wir wieder aus auf die Zimmer. Es bimmelt schon wie verrückt auf Evas Telefon. „Frau Schneider hat immer Angst, dass man sie morgens vergisst“. Die heutige Frühschicht verläuft für mein Empfinden deutlich intensiver als die Schicht gestern. Es kommt mir vor, als gäbe es viel mehr zu tun am Morgen. Waschen, Gebisse einsetzen, Kämmen, Anziehen, Duschen, Betten neu beziehen. Und das muss jetzt alles flott gehen, denn die Bewohner wollen wieder zu ihrem heiligen Kaffee.

Die erste Pause machen wir erst gegen 10:30 Uhr. Da bin ich dann schon ordentlich bedient. Eva wirkt auch müde. Wir treffen andere Pflegerinnen auf Kaffee und Zigarette im schön angelegten Innenhof, der für alle frei zugänglich ist. Bewohner sind hier aber nie zu sehen. „Die gehen immer auf die andere Seite des Gebäudes – warum auch immer“.

Die Raucherquote des Personals ist ungewöhnlich hoch. Ich bekomme eine große Dosis Beschwerde, Geläster und Drama ab. Es menschelt. Es wirkt für mich so, als hätten sich bei den insgesamt 60 Heim-Angestellten diverse Kleingruppen gebildet, die sich gegenseitig den Kampf angesagt haben. In den Gesprächen höre ich heraus, wie hierarchisch hier alles organisiert ist.

Ich war die letzten 15 Jahren als externer Berater in einem Automobilkonzern tätig. Da dachte ich schon immer, es gäbe viel zu viele Organisationsstrukturen. Hier im Pflegeheim gibt es sogar noch mehr, stelle ich verblüfft fest. Einrichtungsleiter, Pflegedienstleiter, Wohnbereichsleiter, Pflegefachkräfte, Pflegeassistenten wie Eva und Ivanca, Präsenzkräfte die noch ein bisschen bei der Küchenorganisation helfen und Reinigungspersonal.

Sieben Hierarchiestufen auf 60 Mitarbeiter. Nicht schlecht denke ich mir so. Da waren die vier Führungsebenen auf 100.000+ Mitarbeiter im Automobilkonzern doch sogar noch recht „flach“, stelle ich erstaunt fest.

„Ähm, wer bist Du eigentlich?“

Ich fühle mich unwohl und merke die negativen Energien der anderen Egos um mich herum, die permanent Trennung wahrmachen und bin erleichtert, als die Pause vorbei ist.

Mein Ego hatte zwischenzeitlich auch schon angefangen sich abzusondern: Ich merke, wie eine Stimme in mir sagt, dass ich hier niemals arbeiten wollte, auch wenn ich den Beruf der Pflegeassistenz an sich ganz reizvoll finde. Die Arbeitsatmosphäre ist doch sehr vergiftet.

Der Rest der Schicht geht schnell rum. Beim Mittagessen lasse ich höchste Konzentration walten, um nicht wieder eine Pille zu vergessen. Auch die letzte Übergabe verläuft wie die anderen.

Zwei Tage sind nicht viel. Trotzdem bilde ich mir ein, einen guten Einblick bekommen zu haben. Die letzte Übergabe zu Spätschicht erfolgt in gewohnter Manier. Die Leute, die heute neu dabei sind und mich noch nicht kennen, interessieren sich wieder wenig bis gar nicht für mich. Ich bleibe heute gelassen. Das kenne ich ja schon.

Dankbar für die spannenden Erfahrungen, verabschiede ich mich händereichend von jedem einzelnen Teammitglied. Der ein oder andere schaut mich dabei etwas verdutzt an. In den Gesichtern lese ich ein: „Äh Ok. Tschüss. Ähm, wer bist Du eigentlich?“ Tja – ich bin gerade dabei, das für mich herauszufinden.

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