Und, ist es so, wie du es dir vorgestellt hast?

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Es ist noch nicht so lange her, dass Christoph in meiner Küche zu Besuch war. Wir haben einen Podcast aufgenommen, indem er über den Verlauf seines Gesundheitszustandes erzählt. Mich hat seine Geschichte tief berührt.

Und ich frage mich seitdem häufig, ob ich eigentlich alles richtig mache.

Wobei eine typische männliche Perspektive ja bekanntlich ist: beruflich erfolgreich, ein echter Macher, alles unter Kontrolle! Umso spannender ist es dann, wenn das Konzept nicht aufgeht.

Was für ein Abstieg

Mir fällt da jemand ein, dessen Namen ich hier nicht schreiben mag, der beruflich einen ganz schön Abstieg hingelegt hat. Von einer hohen leitenden Position runter zum einfachen Mitarbeiter – am Ende war er froh, überhaupt noch einen Job zu bekommen.

Er fällt mir in jüngster Zeit immer wieder durch radikale und aggressive Kommentare in den sozialen Netzwerken auf.

Und da ist er nicht der einzige Mann in meinem Umfeld, der scheinbar seinen beruflichen Misserfolg durch politische und soziale Aggression kompensiert. Der einfach nicht damit klarkommt, dass er vielleicht an der einen oder anderen Stelle die gängigen gesellschaftlichen Klischees nicht erfüllt.

Ist das wirklich wichtig?

Deswegen kann er ja trotzdem ein guter Vater oder Partner sein. Vielleicht ist er in der neuen Position auch viel besser aufgehoben als in der alten …

Warum er dann aber darüber schimpfen muss, wie sich die Gesellschaft entwickelt hat, dass ihm alles zu liberal und weichgespült ist und wir als Nation untergehen werden – es ist mir ein Rätsel.

Nein, das stimmt nicht: Es ist mir kein Rätsel. Es ist dieses verkappte Bild von Männlichkeit. Das lautet so: Ein Mann darf nicht scheitern, darf nicht schwach sein. Und wenn er damit nicht klarkommt, geht er in die Außenaggression.

Was für ein Armutszeugnis.

Oder ist es anders?

Christoph kann darüber nur – naja – lachen. Weinen trifft es wohl besser. Im Podcast erzählt er, dass er seine Partnerin immer wieder darauf hinweist, nicht so viel zu arbeiten. Das ist noch ganz andere schöne Dinge im Leben gibt …

Bringt mich zu meiner Ausgangsfrage: Und, ist es so, wie du es dir vorgestellt hast? Oder ist es eher so, wie es sich die Gesellschaft für dich als Mann vorgestellt hat?

Ich danke Christoph jedenfalls sehr für seine Zeit und die Ehrlichkeit, mit der er seine Geschichte hier erzählt hat.

Ich wünsche uns allen, dass wir es lernen, den Fokus (noch weiter) nach innen zu verschieben – dass der äußere Erfolg nicht so wichtig ist.

Liebe Grüße

Peter

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