Neulich hatte ich eine längere Autofahrt mit drei Freunden. Der eine redete die ganze Zeit: über seinen Erfolg, über Geld, über seine Sicht auf die Welt.
Irgendwann fiel mir auf: Er redete viel. Sehr viel. Und er erzählte gar nichts von sich.
Ich mag ihn wirklich sehr, aber irgendwann nervte sein Dauerstakkato aus Besserwisserei nur noch. Dann wurde mir auch klar: Es ging ihm gar nicht um ein Gespräch und vielleicht Erkenntnisgewinn, also den Austausch mit den anderen. Es ging ihm um Selbstvergewisserung. Bestätigung. Anstreeeeeengend.
Er redet dauernd
Dazu passt ein Podcast, den ich neulich gehört habe. Thema: „fragile Männlichkeit“ (hier bei Spotify). Jaja, was ist das jetzt schon wieder – war auch meine erste Reaktion. „Toxisch“ kenn ich ja schon – aber was bedeutet bitte das Adjektiv „fragil“ in Verbindung mit Männlichkeit?
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Habe ich mir angehört, das Wissen teile ich gern mit Euch. Ich versuche es mal ganz platt: „toxisch“ bezieht sich auf Verhalten, das anderen schadet. „Fragil“ (lässt sich übersetzen mit „brüchig“) dagegen ist eher eine innere Sache: die individuelle Angst vor Statusverlust. Fragile Männlichkeit ist der Versuch, permanent stark, erfolgreich und souverän wirken zu wollen – obwohl man sich innerlich vielleicht anders fühlt.
Was also tun?
Das kann auf Dauer ganz schön anstrengend sein – manchen treibt es regelrecht in den Wahnsinn. Mich zum Beispiel, während dieser Autofahrt. Nicht, weil ich mein schräges Bild von Männlichkeit aufrechterhalten wollte, keine Sorge. Nein, wegen dem Typen da, den ich sonst meinen Freund schimpfe.
Was also tun? Psychologisch wäre sicherlich total korrekt gewesen, ein Beziehungsangebot zu unterbreiten. Ich habe ja schließlich schon durchschaut, dass es ihm nicht so gut geht. Etwa: „Du, ich spüre, du bist gerade ein wenig aufgewühlt, ich will dir nur sagen: ist echt total okay für mich.“ Oder: „Ey, wenn du Bock hast, ich meditiere heute Abend noch ne Runde vor dem Schlafengehen – Gefühle fühlen und so. Machste mit?“
„Ey, halt die Fresse!“
Das wäre bestimmt oberknorke, superkorrekt gewesen – allein: Ich habe da noch so einen inneren Anteil, der in solchen Situationen alles andere als pädagogisch korrekt ist.
Also habe ich sehr deutlich gesagt: „Ey, halt doch einfach mal die Fresse.“ Da war den Rest der Fahrt Stille – voll stabil!
Ich weiß schon, ich bin der lebende Beweis: Das eine fragile Männchen macht das andere platt – und ist damit keinen Deut besser. Aber echt ey: Manchmal ist das einfach so und man (Mann!) kommt nicht aus seiner Haut.
Jedenfalls war die Fahrt dann viel angenehmer – und abends alles wieder vergessen. Schließlich kennen wir uns lange und wissen um unsere Verbindung. Und ja, versprochen, ich arbeite weiter an meiner fragilen Männlichkeit – also daran, sie abzulegen. Ehrenwort!
Und wie hättest du dich verhalten?







