Basti, 51, Chiemsee: „Ich habe einfach Glück gehabt“

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Wie ticken Männer im mittleren Alter? Wie blicken sie auf ihr bisheriges Leben und was würde ihr junges Ich über sie heute sagen? In unserer Köpfe-Rubrik protokollieren wir Momentaufnahmen.

Bei schönem Wetter gehe ich auf den Berg, wenn es regnet, arbeite ich. Besser kann man es nicht haben, oder? Ich freue mich jeden Tag, wie gut es mir geht!

Seit 2014 stelle ich Bartpflege und natürliche Kosmetik für Männer her. Ich habe die Firma selbst gegründet, am Anfang parallel zum Job. Die Idee entstand während meiner ersten Elternzeit, inzwischen habe ich 16 Produkte im Shop. Die Firma ist klein und fein. Meine Freundin hilft mir manchmal, alles andere mache ich selbst: Ich entwickle die Produkte, packe sie ein und verschicke sie. Davon lebe ich heute. Das ist für mich ein absoluter Traum.

Ich habe schon immer geschaut, dass ich mache, was mir Freude bereitet. Vor allem im Job. Ich denke aber auch oft: Ich habe einfach viel Glück gehabt.

Surf-Hotel auf Hawaii

Nach der Schule wusste ich erst einmal nicht, was ich machen soll. Also habe ich BWL studiert und bin ins klassische Marketing gegangen. Ich bin ein bisschen durch die Welt getingelt und habe in einigen Agenturen gearbeitet. Dort habe ich Webseiten für große Firmen gebaut, für Lufthansa, für die Deutsche Bahn, für Südtirol. Das hat mir immer richtig Spaß gemacht.

Schon mit 20 musste ich wohl eine der schwierigsten Entscheidungen meines Lebens treffen. Ich habe damals schon Webseiten gebaut und einen Mann in den USA, der ein paar Surf-Hostels hatte, einfach angeschrieben: Deine Webseite ist schlecht, ich baue dir eine neue, wenn ich dafür bei dir wohnen kann. Er hat Ja gesagt. Ich habe dann ein paar Monate umsonst in seinem Hotel in Los Angeles gewohnt.

Irgendwann hat er mich gefragt, ob ich sein Hotel auf Hawaii nicht übernehmen und leiten will.

Gleichzeitig hatte ich ein richtiges Job-Angebot von Siemens, so ganz klassisch, im Büro. Eigentlich bin ich da sonst anders – aber ich habe mich ganz brav für Siemens entschieden. Das war in dem Moment der zukunftssichere Weg.

Mir fehlte was Handfestes

Trotzdem war ich deswegen sicher nicht langweilig. Eher unstet. Ich hatte bis zur Selbstständigkeit bestimmt zehn Jobs. Manchmal bin ich zu kleinen Start-ups gegangen, einfach, weil mich das Thema gereizt hat, und habe dann auch weniger verdient. Zweimal habe ich einen sicheren, gut bezahlten Job gekündigt, ohne etwas Neues zu haben. Wenn ich irgendwo nicht mehr happy war, habe ich aufgehört.

Was mir die ganzen Jahre gefehlt hat, war etwas Handfestes. Wenn ich meiner Mama zeigen wollte, was ich beruflich mache, musste ich immer erst den Computer anschalten. Ich wollte etwas machen, das man wirklich anfassen kann.

Einen Bart habe ich, seit ich 17 oder 18 bin. Ich hatte in meinem Leben schon wirklich jeden Bart, den es so gibt, und nur ganz selten keinen. Das Thema Pflege des Barts hat mich schon immer interessiert.

In meiner Hexenküche

Aus der Hexenküche in den Versand: Inzwischen hat Beyer’s Oil 16 Produkte im Shop.

2014 kam mein Sohn auf die Welt. Ich habe drei Monate Elternzeit genommen und war komplett zu Hause. Irgendwann saß ich abends da und war kreativ nicht ausgelastet. Im Job hatte ich immer Kreatives gemacht, Webseiten, Plakate, Werbekampagnen. So gar nichts zu tun, das hat mir gefehlt.

Damals kamen gerade die Barbershops in Deutschland auf. In England gab es die ersten Produkte für die Bartpflege. Ich habe mir ein paar davon bestellt, dazu Aromaöle, und angefangen, herumzuprobieren. Einfach so, aus Spaß. Das ging länger als die Elternzeit, bestimmt ein halbes Jahr – irgendwann war ich wieder in der Agentur.

Zu Hause hatte ich 50, 60 verschiedene Düfte stehen, das war eine richtige kleine Hexenküche. Jeden Abend habe ich da Sachen zusammengeschüttet und meine Freundin genervt: „Riech mal bitte meinen Bart!“ Zuerst wollte ich unbedingt etwas, das zu Bayern passt, mit Alpenkräutern zum Beispiel. Das hat nicht funktioniert. Dann habe ich an die Seifen aus Frankreich gedacht, die ich immer gemocht habe, mit Eisenkraut. Das war es!

Kosmetik braucht Genehmigungen

Kurz vor Weihnachten dachte ich mir, meine Kumpels haben alle einen Bart, denen schenke ich jetzt jeweils so ein Öl. Aus Spaß habe ich aus einem Selfie ein kleines Logo mit meinem Gesicht gebastelt. Ich bin auch mit einer Flasche zu meinem Barber in München gegangen, einfach um zu zeigen, was ich da gemacht habe. Er hat daran gerochen, es ausprobiert und gesagt: „Cool, das will ich verkaufen!“

So ging es los.

Und damit fing die Arbeit erst richtig an. Kosmetik muss man genehmigen lassen. Die Rezeptur muss ins Labor und getestet werden, die Verpackung muss richtig beschriftet sein, jedes Produkt wird in einer europäischen Datenbank gemeldet. Das ist ein ganz schöner Schlauch.

Zum Glück hatte ich einen Bekannten, der Apotheker ist und in einem Kosmetikunternehmen arbeitet. Er hat mir sehr geholfen. Entwickeln kann man in der eigenen Küche, aber abfüllen darf man nur in kontrollierten, absolut sauberen Räumen. Also habe ich bei ihm in der Firma abgefüllt, die Fläschchen mit nach Hause genommen und mit meinen Freunden die Etiketten aufgeklebt.

Ich war nie im Minus

Ihm fehlte immer etwas Handfestes. Heute stellt Basti Bartpflege her.
Zwei, drei Jahre lang habe ich das parallel zum Job und nach Feierabend gemacht. Ich habe die Webseite gebaut, die Verpackungen gestaltet und bin auf kleine Märkte gegangen, um meine Produkte vorzustellen. In Geschäften und vor allem in Barbershops habe ich gefragt, ob sie meine Sachen verkaufen wollen. Es wurden immer mehr, und nach drei Jahren habe ich in der Agentur aufgehört.

Ich hatte vorher schon mal Erfahrungen mit der Gründung einer eigenen Firma gemacht: mit einer Reiseplattform. Damals habe ich alles so gemacht, wie man es macht: Businessplan geschrieben, Geldgeber gesucht, umgesetzt. Das hat mich viel Geld gekostet.

Diesmal hatte ich keinen Plan – den habe ich bis heute in der Form nicht. Ich war aber nie mit einem Euro im Minus und habe mir nie Geld geliehen. Ich habe Produkte verkauft und das Geld wieder in Zutaten und Verpackungen gesteckt. So läuft es einfach weiter.

Ich würde aber niemandem raten, seinen Job einfach zu kündigen und etwas ganz anderes anzufangen, ohne es vorher ausprobiert zu haben. Wer eine Leidenschaft hat, sollte sie besser parallel angehen, nach Feierabend. Egal, ob das Sportkurse sind oder Beratung. Dann merkt man, ob es einen finanzieren kann.

Da täuscht man sich komplett

Mich verwundert es manchmal bis heute, welche Männer sich für Pflege interessieren. In der Werbung sehen bärtige Männer immer aus wie bärenstarke Holzfäller, die durch den Wald laufen und am Lagerfeuer grillen. Auf den Märkten und bei mir am Hof, auf dem ich inzwischen lebe, stehen ab und zu genau solch grobschlächtige Typen – von denen man nie denken würde, dass sie sich mit Pflegeprodukten beschäftigen! Das sind aber tatsächlich genau die, die sich am meisten Gedanken machen. Und am meisten Geld ausgeben. Da täuscht man sich komplett.

Mein 18-jähriges Ich? Das wäre heute sehr zufrieden mit mir. Ich war immer freiheitsliebend und wollte nie irgendwo eingezwängt sein. Heute lebe ich danach, wie das Wetter ist und wie die Schulferien liegen. Das muss man erst mal hinbekommen. Protokoll: Peter Stawowy

Hier geht es zur Webseite samt Shop von Beyer’s Oil: beyersoil.com

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