Welchen Preis zahlst du, wenn alles bleibt, wie es ist?

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Bernd Zimmermann im 7VIERZIG-Podcast

Funktionieren, für andere da sein, durchhalten, um dann irgendwann zu merken, dass man am eigenen Leben vorbeilebt. Darum geht es in dem Roman „Bis du erstickst“.

Im 7VIERZIG-Podcast spricht Peter Stawowy mit dem Autoren, Coach, Unternehmensberater und Führungsexperten Bernd Zimmermann über seinen ersten Roman. In dem Gespräch geht es um Männer, die tragen, bis die Mauer Risse bekommt. Und um die Frage, wie man sich selbst wieder ins Spiel bringt.

Gebraucht werden statt geliebt werden

Zimmermanns Roman erzählt in drei Teilen von Selbstidentität und dem Weg zu sich selbst. Der erste Teil handelt von einem Mann, der sein Leben lang gut funktioniert hat und doch nie wirklich sein eigenes Leben gelebt hat. Im zweiten Teil steht eine Frau im Mittelpunkt, die in den Mustern ihrer Familie gefangen ist. Ihre Kinder, ihr Partner und ihre Eltern zahlen den Preis dafür. Die Dynamik über mehrere Generationen erlebe er in seiner Arbeit immer wieder, sagt Zimmermann: Sie könne „sehr, sehr einschnüren“.

Für Männer seiner Generation macht Zimmermann eine Prägung aus. Viele hätten gelernt, „dass gebraucht werden die sicherste verfügbare Form von geliebt werden ist“. Er vergleicht das mit einer tragenden Wand: Männer lernen, dass sie tragen sollen. Wenn die Wand Risse bekommt, bleiben sie trotzdem Wand, weil sie fürchten, ohne diese Funktion auch ihre Identität zu verlieren.

Die Kernfrage lautet für ihn also: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr trage?

Die Rolle ist nicht das Ich

Viele dieser Muster seien Überlebensstrategien aus der Kindheit, sagt er. Zum Beispiel immer der Lustige oder immer der Starke zu sein. Problematisch werde es, wenn so etwas von außen wie eine Kompetenz aussehe und ständig abgerufen werde. Zimmermann beruft sich auf den Harvard-Entwicklungspsychologen Robert Kegan und dessen Subjekt-Objekt-Theorie. Entwicklung bedeute demnach, eine Rolle nicht mehr zu sein, sondern sie zu haben: „Ich kann lustig sein, ich kann stark sein, aber ich kann auch entscheiden, dass ich diese Rolle heute mal nicht spielen möchte.“

Offen erzählt er, wie er vor rund 20 Jahren mal in einer Therapiesitzung ein Bild gemalt habe: Die Fässer seiner Bedürfnisse standen ganz unten im Keller, halb im Sand vergraben, unter einer Betonplatte, die Deckel zugenagelt. „Ich habe es halt immer nur für andere getan und wusste gar nicht, was will denn der Bernd eigentlich?“

Welchen Preis zahle ich?

Statt zu fragen, was man ändern müsste, empfiehlt Zimmermann eine andere Frage: Welchen Preis zahle ich dafür, dass alles so bleibt, wie es ist? Daran schließen sich weitere Fragen an. Welche Geschichte steuert mich? Welche Angst würde auftauchen, wenn ich etwas anders mache?

Die meisten Rückmeldungen auf das Buch bekommt Zimmermann bisher von Frauen. Ein Mann, eine erfolgreiche Führungskraft, schrieb ihm, das Buch sei nichts für ihn, so sei er nicht sozialisiert. Mit Verweis auf Richard Rohr („Vom wilden Mann zum weisen Mann“) beschreibt Zimmermann, wie Männer unangenehme Gefühle wegschieben, was nicht heißt, dass sie verschwinden. Sie werden zu Aggression oder Depression. Echte männliche Stärke sei für ihn etwas anderes: „jemanden an sich heranzulassen, vielleicht sogar als Erstes sich selber“.

„Bis du erstickst“ von Bernd Zimmermann gibt es hier.

Wie merkt man, dass man schon zu lange den Atem anhält? Und wie bleibt man den eigenen Stärken treu, ohne von ihnen beherrscht zu werden? Das ganze Gespräch zwischen Peter Stawowy und Bernd Zimmermann gibt es jetzt bei Spotify und überall, wo es Podcasts gibt!

 

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